Energiewende – Nur mit erneuerbarer statt atomarer Energie

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Energiewende – Nur mit erneuerbarer statt atomarer Energie

Berlin, 10.11.2022 – Die Parteivorsitzenden von FDP, CDU sowie CSU würden die deutschen Atomkraftwerke (AKW) gerne wesentlich länger laufen lassen. Dabei verkennen die Herren Lindner, Merz und Söder, dass die Entscheidung zum finalen Atomausstieg bereits vor mehreren Jahren getroffen wurde. Ferner ist spätestens nach der Richtlinien-Entscheidung von Kanzler Scholz klar, dass es nur zu einem befristeten Weiterbetrieb von drei AKW kommen wird. Die fortwährende Diskussion scheint damit beendet. Trotzdem sind stetig Rufe nach einem verlängerten AKW-Betrieb und sogar einem AKW-Neubau zu vernehmen. Diese sind aus gleich mehreren Gründen weder sachdienlich noch zielführend.

In der Argumentation Kernenergie-Befürworter wird meist der sehr geringe CO₂-Ausstoß im Vergleich zu anderen fossilen Brennstoffen genannt. Dieses an sich stimmige Argument kann jedoch nicht losgelöst von den existentiellen Gefahren für Mensch und Umwelt, welche durch die Kernenergie ausgehen, betrachtet werden.  Neben der bisweilen ungelösten Endlagerproblematik mahnen die Erfahrungen von Tschernobyl und Fukushima zur größtmöglichen Vorsicht.

Darüber hinaus konnten die 19 AKW-Meiler, welche in Deutschland zur Hochzeit der Kernenergie maximal am Netz waren, gerade einmal 13 Prozent des vorliegenden Energiebedarfs decken.[1] Mit dem Streckbetrieb der drei AKW kann daher kaum eine relevante Energiemenge bereitgestellt werden – bei gleichbleibenden Gefahrenpotentialen.

Die in diesem Zusammenhang ebenso postulierte Forderung eines AKW-Neubaus scheint deplatziert. Neben dem Argument des Umweltschutzes spricht ebenso die finanzielle Kosten-Nutzen-Rechnung dagegen. Der AKW-Neubau verschlingt in der Regel mehrstellige Milliardensummen, welche stets wesentlich höher ausfallen als zunächst kalkuliert. Neue, effizientere Reaktorkonzepte bleiben bis heute unausgereift und sind nicht marktfähig. Bisweilen gibt es nicht einmal Prototypen von Reaktoren der sog. vierten Generation. Selbst wenn diese bereits erprobt wären, würden noch 10 bis 15 Jahre für den Bau der Kraftwerke benötigt. Um die Klimaziele zu erreichen, müssen CO₂-Emissionen aber innerhalb der kommenden Jahrzehnte massiv sinken.

Auch das Argument der vermeintlichen Zuverlässigkeit und Energiesicherheit von AKW ist beim Blick nach Frankreich infrage zu stellen. Aufgrund von Problemen müssen AKW dort immer wieder kurzfristig vom Netz genommen werden, können nicht wie geplant Strom einspeisen, was zu steigenden Stromkosten führt. Schon heute ist Deutschland Netto-Stromexporteur nach Frankreich, von insbesondere erneuerbaren Energien. Daneben erscheint es vor dem Hintergrund des völkerrechtswidrigen Überfalls auf die Ukraine bizarr, sich nach dem Erdgas erneut in eine Abhängigkeit von russischem Brennstofflieferungen, in diesem Fall von Uran, zu begeben.

Der Klimawandel erfordert ein schnelles Handeln und eine umfangreiche und zeitnahe Reduzierung von CO₂-Emissionen, welche nur durch den massiven Ausbau von Anlagen zur Erschließung erneuerbarer Energien, speziell Wind und Solar, zu bewerkstelligen ist. Der Systemerhaltungsreflexe einzelner Politiker zum Trotz bedarf es dafür der Vision bzw. einer konkreten Vorstellung eines zukünftigen Energiemarktes.

Da die Zeit drängt, liegt es an Bürgerinnen und Bürgern, die Energiewende selbst in die Hand zu nehmen und für den Wandel zu sorgen, den sie in der Welt sehen wollen. Die Aufgabe der Politik und Legislative muss es daher sein, die dafür nötigen fairen, transparenten und demokratischen Rahmenbedingungen zu schaffen. Nur so kann eine rasche, nachhaltige und sozialverträgliche Energiewende, mit erneuerbarer statt atomarer Energie, gelingen.

Der Anlegerschutzverein WindEnergie AWE e.V. ist die Interessensvertretung von Anleger*innen im Windenergiebereich und Investments in erneuerbare Energien. Sie haben Fragen oder Interesse an unserer Arbeit oder einer Mitgliedschaft? Informieren Sie sich unter anleger-wind-energie.de/Mitgliedschaft über unsere Vereinsvision von hundert Prozent fairen, transparenten und demokratischen Verhältnissen bei Anlagen in erneuerbare Energien.


[1] BMWi: https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Downloads/Energiedaten/energiedaten-gesamt-pdf-grafiken.pdf?__blob=publicationFile&v=40