E-Fuels: Warum sie keine Alternative für die Auto-Zukunft sind

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E-Fuels: Warum sie keine Alternative für die Auto-Zukunft sind

Berlin, 11.04.2023 – In der aktuellen Diskussion um die Zukunft des Autos setzen einige Politiker, insbesondere aus dem Lager der FDP, auf E-Fuels als Alternative zu Elektro- und Wasserstoffautos. Doch diese Technologie ist nicht nur teuer und unwirtschaftlich, sondern auch ökologisch fragwürdig.

Die weltweite Transformation von fossilen auf rein erneuerbare Energien infolge des Klimawandels ist eine Jahrhundertaufgabe der Menschheit, die durch die Versäumnisse der industrialisierten Länder in der Vergangenheit nunmehr in etwa zwei Jahrzehnten bewältigt werden muss.

Dies bedeutet, dass jede erneuerbar erzeugte kWh Energie mit dem geringsten Energieverlust für die Deckung des Bedarfs an Strom, Wärme, im Verkehr, und in der Industrie benötigt wird.

E-Fuels sind synthetische Kraftstoffe, die über mehrere verlustintensive energetische Umwandlungsstufen hergestellt werden. Zunächst wird grüner Wasserstoff produziert, aus dem anschließend die E-Kraftstoffe gewonnen werden. Beim Einsatz im Verbrennungsmotor gehen, wie bei den klassischen fossilen Verbrennungskraftstoffen, wiederum ca. 70 % der Energie verloren. In der Gesamtbilanz stehen damit nur ca. 10 % der eingesetzten Energie für die Fortbewegung zur Verfügung.

E-Fuels sind heute kommerziell noch nicht verfügbar. Laut einer Untersuchung des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) (1) decken die weltweit bis 2035 angekündigten Projekte lediglich etwa 10 % der deutschen Nachfrage nach den unverzichtbaren E-Fuel-Anwendungen (Flugverkehr, Schiffverkehr, stoffliche Nutzung in der Chemie). Selbst bei einem globalen Markthochlauf mit den historischen Wachstumsraten von Wind und PV-Solar würde dies allein für Deutschland höchstens etwa 50 % des unverzichtbaren Bedarfs decken.

Trotz dieser Fakten setzt die FDP weiterhin auf E-Fuels als Alternative zu Elektroautos. Die Technologieoffenheit, für die sie einst stand, hat sich in diesem Fall ins genaue Gegenteil verkehrt. Ursprünglich wollte die FDP Wasserstoff- und Brennstoffzellenautos als Alternative fördern, aber auch diese Technologie hat sich als unwirtschaftlich und ineffizient erwiesen. Die Einführung von E-Fuels ist eine Lösung, die noch auf lange Sicht an der Realität vorbeigeht.

Es gibt jedoch noch weitere Gründe, warum E-Fuels keine Alternative für die Zukunft des Autos sind. Zum einen sind sie extrem teuer und werden auch in Zukunft ein Elitenprojekt bleiben. Dies erklärt auch, warum sich vor allem Sportwagenhersteller – und die FDP – mit diesem Thema befassen. Für den durchschnittlichen Autofahrer werden E-Fuels nicht erschwinglich sein. Aufgrund ihrer Knappheit und energieintensiven Herstellung sollten sie im Verkehrssektor nur dort eingesetzt werden, wo keine Alternative zur Verfügung steht. Das ist z.B. im Schwerlast-, Schiffs- oder Luftverkehr.

Neben diesen Überlegungen, welche gegen die Verwendung synthetischer Kraftstoffe im Autoverkehr sprechen, ist der breite Einsatz von E-Fuels auch aus energetischer Sicht nicht sinnvoll. Sie haben, im Vergleich zu einem batterieelektrischen Antrieb, einen schlechten Wirkungsgrad, was bedeutet, dass sie für die gleiche Strecke etwa fünfmal so viel Strom benötigen wie ein modernes Elektroauto. Zudem sind die notwendigen Tankanlagen extrem teuer und können nicht mehr als vier bis sechs Autos pro Stunde betanken.

Während einige Politiker noch immer an der Technologieoffenheit festhalten, ist für die Automobilindustrie längst klar: Die Zukunft gehört dem Elektroauto. Die Zulassungszahlen für Elektroautos steigen seit Jahren rapide an, während die Nachfrage nach Benzin- und Dieselautos rapide abnimmt. Bis 2025 werden viele weitere vollelektrische Modelle auf den Markt kommen und diesen Trend weiter beschleunigen. Selbst die deutsche Autoindustrie wird ihre Modellreihen bis 2030 komplett elektrifiziert haben.

Die Einführung von E-Fuels als Alternative für Elektroautos ist unwirtschaftlich, ineffizient und ökologisch fragwürdig. Wenn die Politiker die Zukunft des Autos wirklich im Blick haben, sollten sie sich auf die Förderung von Elektroautos und auf die Entwicklung der Mobilität der Zukunft konzentrieren. Denn nur so kann ein nachhaltiger Wandel gelingen.

Die Energiewende kann nur gelingen, wenn die Bevölkerung sie mitträgt und aktiv unterstützt. Voraussetzungen dafür sind kluge, und auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse getroffene, politische Entscheidungen. Kurzsichtige Klientelpolitik steht dem entgegen. Es bedarf eines gesamtheitlichen und schlüssigen Fahrplans für die Energiewende, der derzeit völlig fehlt.

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[1] Ueckert, Odenweiler, März 2023, „E-Fuels – Aktueller Stand und Projektionen“ Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)