Atomausstieg: Sinkende Strompreise schon im ersten Monat

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Atomausstieg: Sinkende Strompreise schon im ersten Monat

Berlin, 22.05.2023 – Ein Monat ist vergangen, seit die letzten drei Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet wurden. Die Auswirkungen auf die Stromversorgung sind bisher kaum erkennbar – weder in Bezug auf den Preis noch auf die Versorgungssicherheit. Dennoch bleibt noch viel zu tun.

Am 30.06.2011 hat die damalige CDU/FDP-Bundesregierung den endgültigen Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Die letzten sechs Atomkraftwerke sollten hiernach Ende 2022 vom Netz gehen. Wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wurde aus Gründen der Energiesicherheit für drei Atomkraftwerke die Laufzeit bis zum 15.04.2023 verlängert.

Entgegen vielen Erwartungen ist der Börsenstrompreis in Deutschland seit dem nun erfolgten Atomausstieg nicht gestiegen, sondern sogar gesunken. Die Abschaltung der Atomkraftwerke Isar 2 bei Landshut, Emsland und Neckarwestheim 2 hat das deutsche Stromversorgungssystem gut verkraftet. Die Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, Barbie Kornelia Haller, bestätigt, dass die Auswirkungen äußerst gering sind, wie der Bayerische Rundfunk berichtet.

Mehr Strom aus erneuerbaren Energien

Die Abwesenheit von Atomstrom wird von anderen stärkeren Effekten überlagert. Im Frühjahr speisen die erneuerbaren Energien deutlich mehr Strom ein als im Winter. Haller erklärt jedoch, dass erst nach einem oder zwei Jahren ein umfassender Vergleich möglich ist, um die Auswirkungen des Atomausstiegs zu erkennen.

Bruno Burger vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) weist darauf hin, dass der Effekt der drei Atomreaktoren im Vergleich zur gesamten Stromproduktion in Deutschland und Europa so gering ist, dass er schwer erkennbar ist. Das Wetter und die Strompreise in den Nachbarländern haben einen viel größeren Einfluss.

Sinkende Strompreise im Frühjahr

Der Rückgang der Strompreise an der Börse seit Mitte April ist normal. Nach dem Winter ist Strom in Europa immer günstiger, da mehr Wasserkraft zur Verfügung steht und die alten Stromheizungen in Frankreich nicht mehr betrieben werden.

Frankreich exportiert im Sommerhalbjahr Strom nach Deutschland, während es im Winterhalbjahr umgekehrt ist. Diese Schwankungen haben nichts mit dem Atomausstieg zu tun. Nachdem im vergangenen Jahr ein Großteil der französischen Kernkraftwerke aufgrund von Wartungsarbeiten und des fehlenden Kühlwassers außer Betrieb war, kehren sie nun langsam wieder ans Netz.

Ersatz für Atomstrom bis Ende des Jahres

Trotz der Abschaltung der letzten drei Atomkraftwerke hat Deutschland keine Versorgungsprobleme. Die verbleibenden 20 Terawattstunden werden nach der Prognose von Bruno Burger im Laufe dieses Jahres vollständig durch erneuerbare Energien ersetzt. Rund 30 Terawattstunden jährlich haben die drei jetzt stillgelegten deutschen Atomreaktoren produziert. Ein Drittel davon kann man in diesem Jahr im Vergleich zum letzten Jahr einsparen, weil wegen der abklingenden Krise der Kernkraft in Frankreich nicht mehr so viel Strom dorthin exportiert werden muss.

Es scheint, dass auch die Akteure am Strommarkt damit einverstanden sind. Futures für Strommengen im kommenden Winter werden für Deutschland deutlich billiger gehandelt als für den vergangenen – und auch hier zeigt sich, dass die Abschaltung der Atomkraftwerke keinen Einfluss auf den Strompreis hat.

Insgesamt ist festzustellen, dass der Atomausstieg bisher keine großen Auswirkungen auf die Stromversorgung und den Strompreis hat. Der Strommarkt scheint im ruhigeren Fahrwasser zu sein und die erneuerbaren Energien werden nach und nach den Atomstrom ersetzen. Stimmen, insbesondere aus dem Lager der CDU/CSU und der FDP, die vor Black-Outs gewarnt hatten, sind somit als das widerlegt, was sie schon damals waren – reine Panikmache. Wieder einmal zeigt sich, dass die erneuerbaren Energien langfristig allen anderen konventionellen Arten der Energieumwandlung ökonomisch sowie ökologisch überlegen sind.

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