Das Zeitfenster für Veränderungen ist fast geschlossen - Zweiter Teil des 6. IPCC-Berichts veröffentlicht

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Das Zeitfenster für Veränderungen ist fast geschlossen - Zweiter Teil des 6. IPCC-Berichts veröffentlicht

Berlin, 03.03.2022 – Der UN-Weltklimarat hat im zweiten Teil des sechsten Sachstandberichts eine erneute Prognose für die zukünftige Entwicklung der Erderwärmung abgegeben und dabei insbesondere die Wechselwirkungen zwischen Menschen, Ökosystemen und Biodiversität herausgestellt.  Die bislang umgesetzten Maßnahmen zur Eindämmung der Klimakrise reichten bei Weitem nicht aus. Die Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien und Reduktion von Treibhausgasen wird noch dringlicher.

Vor rund 30 Jahren wurde der erste Bericht des Weltklimarats Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz IPCC, veröffentlicht. Bereits damals wurde auf die steigende Erderwärmung und mögliche Folgen hingewiesen. Seitdem werden in einem Sechs-Jahresrhythmus die Ergebnisse der weltweiten Klimaforschung zusammengefasst und publiziert. Nach der Veröffentlichung des ersten Teils des sechsten Tatsachenberichts im August 2021, wurde am vergangenen Montag nun der zweite Teil mit dem Titel „Folgen, Anpassung und Verwundbarkeit“ vorgelegt. Dafür haben über 200 Wissenschaftler aus der ganzen Welt insgesamt 14.000 Studien ausgewertet.

In der Veröffentlichung wurden in Bezug auf den Klimawandel 127 Schlüsselrisiken identifiziert und untersucht, unter anderem die Zunahme an Hitzetoten, der Anstieg der Schäden durch Hochwasser und die sich einschränkende Bewohnbarkeit ganzer Regionen. Fakt ist, dass sich durch den Klimawandel eine Häufung solcher Ereignisse bereits heute erkennen lässt und diese sich mit steigender Erderwärmung weiter verstärken wird.

So ist die globale Mitteltemperatur im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um 1,1 Grad gestiegen, in Deutschland sind es sogar bereits 1,6 Grad. Ein Trend, der sich in den letzten Jahren in einem höheren Maße beschleunigt hat als prognostiziert. So wird sich, der Studie folgend, die Erderwärmung im weltweiten Mittel bereits im Jahr 2030 auf 1,5 Grad belaufen. Auch im Fall eines nur zeitweisen Temperaturanstiegs über die 1,5 Grad-Marke und anschließender Wiederabsenkung, hätte dies gravierende und teilweise irreversible Schäden für natürliche und menschliche Systeme zur Folge. Diese sog. Overshoot-Pfade würden gleichermaßen das Abschmelzen der meisten Gletscher oder das Aussterben ganzer Arten herbeiführen.

Erstmalig wird in einem IPCC-Bericht auf die in Wechselwirkung zueinanderstehenden Klimawandelfolgen zwischen Ökosystemen, der Biodiversität und deren Auswirkungen auf die Menschheit, in Bezug auf Ernährung und (psychologischer) Gesundheit, eingegangen. So wird konstatiert, dass mittel- bis langfristig mehr Menschen aufgrund von klimabedingten Vertreibungen dazu gezwungen sein werden, ihre Heimat zu verlassen. Ein entschlosseneres Handeln sei daher dringend geboten, so die eindeutige Botschaft des neuen IPCC-Teilberichts.

Die Fortschritte der vergangenen Jahre sind in der Tat und bei Weitem noch nicht ausreichend. Dies liegt insbesondere daran, dass kein ganzheitlicher Ansatz verfolgt wird. Einzelne Strategien lösen die Klimakrise nicht, da diese eher regional, kleinteilig und reaktiv umgesetzt werden. Was fehlt ist eine Vision, bzw. ein Zukunftsbild, in dem Mensch und Natur in Einklang leben. 

Die einzelnen Bauteile dieses Szenarios sind hinlänglich bekannt und werden auch durch den IPCC erneut benannt:

  • Der massive Ausbau erneuerbarer Energien zur umfangreichen Reduktion von CO2-Emissionen und deren Einsatz im Wärme- („Wärmewende“) und Mobilitätssektor („Mobilitätswende“).
  • Die Verhaltensanpassung, wie durch den Verzicht auf den Konsum von Fleischprodukten, zum Schutz der Biodiversität und Erhalt von Wäldern.
  • Die Verfolgung einer holistischen Strategie durch die Verzahnung von Natur- und Klimaschutz.

Vor allem dem ganzheitlichen Ansatz zur Bekämpfung der Klimakrise kommt eine herausgestellte Bedeutung zu. Das Zeitfenster zur Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen ist so gut wie geschlossen. Nur mit schnellen und effektiven Maßnahmen und vorausschauendem Planen können nachhaltige und fruchtbare Veränderungen erzielt werden.

In diesem Kontext ist die Schließung existierender Finanzierungslücken ebenso von entscheidender Bedeutung, welche durch die Beteiligung von Bürger*Innen an den Transformationsprozessen erfolgen kann. Dabei ist jedoch zu beachten, dass dafür ein fairer, demokratischer und transparenter Rahmen geschaffen werden muss, welcher im aktuell geltenden (deutschen) Recht nicht abbildbar ist.  Nur durch die Übernahme ökologischer Verantwortung durch breite Bevölkerungsschichten kann eine nachhaltige und gesamtgesellschaftliche Daseinsvorsorge gelingen.

Der Anlegerschutzverein WindEnergie AWE e.V. ist die Interessensvertretung von Anleger*innen im Windenergiebereich und Investments in erneuerbare Energien. Sie haben Fragen oder Interesse an unserer Arbeit oder einer Mitgliedschaft? Informieren Sie sich unter anleger-wind-energie.de/Mitgliedschaft über unsere Vereinsvision von hundert Prozent fairen, transparenten und demokratischen Verhältnissen bei Anlagen in erneuerbare Energien.