Vogelsterben durch Windenergie – Ein aufgeplustertes Problem

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Vogelsterben durch Windenergie – Ein aufgeplustertes Problem

Berlin, 10.02.2022 – Jedes Jahr verendet in Deutschland eine Millionenzahl an Vögel, wie der oft zitierte Rotmilan. Dabei sind die Gründe vielfältig. Die erschwerten Lebensbedingungen durch den Klimawandel, der Eingriff des Menschen in die natürlichen Lebensräume und das Insektensterben sind dabei noch nicht einmal mit einbegriffen. Der Vogelschutz ist wichtig zum Erhalt der natürlichen Biodiversität, dabei hilft die Wahl des „richtigen“ Haustieres jedoch mehr als der Kampf gegen Windmühlen.

Windenergieanlagen sind die Schlüsseltechnologie zur Erreichung der Klimaziele. Sie erzeugen CO2-neutralen, sauberen Strom. Doch die technischen Anlagen brauchen Platz und es benötigt einen punktuellen Eingriff in unsere Kulturlandschaften um diese zu errichten. Der Ausbau dieser Erzeugungsanlagen für erneuerbaren Strom ist für die Dekarbonisierung der deutschen Volkswirtschaft unumgänglich. Gegner der Windenergie führen gerne das Argument des gravierenden Vogelsterbens ins Feld, welches angeblich durch den Betrieb von Windenergieanlagen ausgelöst wird, um ihre Kritik an dieser Technologie zu äußern. Ein Blick auf die konkreten Zahlen der Todesursachen verstorbener Vögel zeichnet jedoch ein gänzlich anderes Bild (siehe Infografik am Ende des Artikels).

Mit bis zu 115 Millionen getöteten Individuen geht von der Kollision mit Glasfassaden und Fensterscheiben für Vögel in Deutschland die größte Todesgefahr aus. Davon sind vor allem Vögel im Siedlungsraum betroffen, aber auch Zugvögel auf ihren Wanderungen. Problematisch dabei ist, dass die Zahl der Glasbauten in Deutschland in Zukunft steigen wird und es anzunehmen ist, dass diese Todeszahlen dadurch steigern werden.

Der Siedlungsraum, und damit der direkte Kontakt zum Menschen, stellt für Vogel generell eine erhebliche Gefahr dar. Die Zahl der durch Kollisionen mit Glasfassaden und Fensterscheiben getöteten Vögel gleicht der Zahl der durch Hauskatzen und dem Straßen- und Bahnverkehr umgekommenen Flugtiere. Durch die Kollisionen im Verkehr sind besonders größere Exemplare wie Greifvögel oder nachts jagende Eulen betroffen. Im Vergleich dazu machen Windenergieanlagen nur einen verschwindend geringen Teil der zu Tode kommenden Vögel aus.

Dennoch ist es ein Fakt, dass Windenergieanlagen zwar nicht für Millionen, aber dennoch für den Tod von tausenden Vögeln pro Jahr verantwortlich sind. Es ist anzunehmen, dass diese Zahl in den nächsten Jahren im Zuge des forcierten Ausbaus von Windenergie an See und Land zu nehmen wird. Doch auch dann wird diese Zahl nur im Promillebereich der Gesamtzahl der jährlichen, durch den Menschen getöteten, Vögel liegen.

Doch auch an dieser Stelle ist das Gefahrenpotential von Windenergieanlagen für unterschiedliche Vogelarten differenzierter zu bewerten. Klar ist, dass Kleinvögel bedeutend geringer gefährdet sind als z.B. hochfliegende Greifvögel, wie der oft zitierte Rotmilan. Dieser hat es als angebliches Opfer von Windenergieanlagen schon zu einer gewissen Berühmtheit geschafft. Dass diese Berühmtheit im genannten Zusammenhang jedoch unbegründet ist, belegen aktuelle Ergebnisse des EU-Forschungsprojektes LIFE EUROKITE[1], welches sich mit den konkreten Todesursachen des Rotmilans beschäftigt. Die Studie kommt zum überraschenden Ergebnis, dass die größte menschengemachte Gefahr für den Greifvogel nicht das Windrad ist, sondern Giftköder und deren Folgen, welche in der Landwirtschaft ausgebracht werden. Weitere Todesursachen entfallen auf den Straßenverkehr, die illegale Jagd, den Zugverkehr und Hochspannungsleitungen. Auf die Windenergie entfällt nur ein äußerst geringer Teil der Todeszahlen des Rotmilans.

So ist es ebenso erfreulich zu hören, dass die Population des Rotmilans in Europa sich bestens entwickelt und sich nun nur noch eine geringe Sorge um Bestandserhalt gemacht werden muss. Analog dazu hat sich auch die Zahl der Rotmilan-Brutpaare in Deutschland positiv entwickelt; ausgerechnet in der Zeit, in der tausenden Windenergieanlagen ans Netz gingen. Die Windenergie ist also das geringste Problem für den Rotmilan und auch andere, als windenergiesensibel eingestufte, Vogelarten verzeichnen eine positive Populationsentwicklung.

Im Zuge des Klimawandels und der sich ändernden Lebensbedingungen für die Tier- und Pflanzenwelt ist es daher unser aller Aufgabe, die Ziele des Klima- und Artenschutzes nicht in Konflikt miteinander geraten zu lassen. Das von Bundeswirtschaftsminister Habeck in seiner Eröffnungsbilanz zum Klimaschutz angesprochene nationale Artenhilfsprogramm ist dabei ein erster richtiger und wichtiger Schritt diesem Anspruch gerecht zu werden. Um die Gefahr eines großen Artensterbens und Biodiversitätsverlustes entgegenzutreten und gleichzeitig den benötigten, massiven Ausbau regenerativer Erzeuger voranzubringen, muss daher, und traurigerweise, das Augenmerk auf den Schutz ganzer Populationen gerichtet werden und nicht auf den Erhalt einzelner Individuen.

Wem der Vogelschutz wirklich am Herzen liegt, sollte sich daher die eigene Wohnsituation, Verkehrsteilnahme und Haustierwahl vor Augen führen. Diese überbieten Windenergieanlagen in ihrem Gefahrenpotential für Vögel um das Tausendfache.

AWE Infografik Vorgelsterben Windenergie

Der Anlegerschutzverein WindEnergie AWE e.V. ist die Interessensvertretung von Anleger*innen im Windenergiebereich und Investments in erneuerbare Energien. Sie haben Fragen oder Interesse an unserer Arbeit oder einer Mitgliedschaft? Informieren Sie sich unter anleger-wind-energie.de/Mitgliedschaft über unsere Vereinsvision von hundert Prozent fairen, transparenten und demokratischen Verhältnissen bei Anlagen in erneuerbare Energien.


[1] https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/rotmilan-windkraft-100.html; sowie https://www.tagesschau.de/inland/studie-rotmilan-windkraftanlagen-101.html