Energiewende 2025: Stromwende gelingt, Klimaziel 2030 wackelt

By in
43
Energiewende 2025: Stromwende gelingt, Klimaziel 2030 wackelt

Deutschland erzeugte 2025 mehr als die Hälfte seines Stroms aus Erneuerbaren Energien. Doch der Klimaschutz verliert an Tempo. Die Treibhausgasemissionen sanken nur noch halb so stark wie im Vorjahr.

Im verganenen Jahr wurde in der Bundesrepublik das Tempo beim Klimaschutz deutlich verlangsamt. Die Treibhausgasemissionen sanken 2025 nur noch um 1,5 Prozent auf 640 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente – weniger als die Hälfte der Einsparungen des Vorjahres. Während die Energiewirtschaft ihre Emissionen leicht senkte, stiegen sie im Gebäude- und Verkehrssektor sogar an. Diese Entwicklung gefährdet das Klimaziel für 2030, wie aus einer Studie von Agora Energiewende hervorgeht.

Stromwende funktioniert – andere Sektoren schwächeln

Die Energiewirtschaft reduzierte ihre Emissionen trotz eines schwachen Windjahres um 1,5 Prozent. Photovoltaik-Anlagen übernahmen dabei eine Schlüsselrolle: Mit einem Zubau von 17,5 Gigawatt und überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden kompensierte die Solarenergie die wetterbedingt schwache Windausbeute. Erstmals überholte die Solarstromerzeugung sowohl die Erdgas- als auch die Braunkohleverstromung und rückte auf Platz zwei der deutschen Stromerzeugung vor.

Der Gebäudesektor verzeichnete hingegen einen Anstieg der Emissionen um 3,2 Prozent. Kühlere Temperaturen führten zu einem höheren Heizbedarf. Im Verkehrssektor stiegen die Emissionen um 1,4 Prozent durch höhere Kraftstoffabsätze. Die Industrie senkte ihre Emissionen zwar um 7,2 Prozent – dies resultierte jedoch hauptsächlich aus Produktionsrückgängen in energieintensiven Branchen.

Wärmepumpen überholen Gasheizungen

Der Heizungsmarkt erlebte 2025 eine historische Wende. Etwa 300.000 Wärmepumpen fanden neue Abnehmer und erreichten damit einen Marktanteil von knapp 50 Prozent bei den Heizungsverkäufen. Gaskessel verloren erstmals ihre dominierende Marktstellung. Das Verhältnis von Strom- zu Gaspreis sank auf den Faktor 3,3 und näherte sich damit der kritischen Schwelle von drei zu eins. Bei diesem Verhältnis arbeiten Wärmepumpen in den meisten Gebäuden günstiger als Gaskessel.

Im Wohnungsneubau etablierten sich Wärmepumpen bereits als Standard. Der Gebäudebestand heizte jedoch weiterhin überwiegend fossil. Mit einem Anteil von unter fünf Prozent im Bestand sparten Wärmepumpen dennoch 3,4 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente allein im Jahr 2025 ein.

Windkraft bereitet sich auf Ausbauboom vor

Die Windenergie an Land legte 2025 mit 4,5 Gigawatt moderat zu. Gleichzeitig explodierten die Genehmigungen auf ein Rekordniveau von 17,9 Gigawatt. Überzeichnete Ausschreibungen signalisierten zudem starkes Investoreninteresse. Diese Entwicklungen legen den Grundstein für einen massiven Windkraftausbau ab 2026.

Die Offshore-Windenergie entwickelte sich dagegen schwach. Zwei erfolglose Ausschreibungsrunden und kaum Ausbaufortschritte zeigten dringenden Reformbedarf auf. Batteriespeicher erlebten hingegen einen Boom: Fallende Kosten und große Preisspannen am Strommarkt führten zu einer Flut von Netzanschlussanfragen.

Elektromobilität wächst trotz Gegenwind

Der Anteil von Elektro-Pkw an den Neuzulassungen stieg auf knapp 20 Prozent. Sinkende Preise und ein wachsendes Modellangebot trieben diese Entwicklung voran. Die absoluten Verkaufszahlen blieben jedoch hinter den klimapolitischen Erfordernissen zurück. Höhere Anschaffungskosten im Vergleich zu Verbrennern und anhaltende Debatten um Technologieoffenheit bremsten die Elektrifizierung.

Die Ladeinfrastruktur wuchs weiter. Neue Programme starteten insbesondere für den Lkw-Verkehr. Die Verteilnetze kämpften jedoch mit langen Wartezeiten bei Netzanschlüssen und einem zu langsamen Ausbautempo.

Politik lässt Weichenstellungen vermissen

Nach dem politischen Wechsel 2025 blieben neue energie- und klimapolitische Entscheidungen auf Bundesebene weitgehend aus. Zentrale Gesetzgebungsprozesse wie die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und die Überarbeitung des Gebäudeenergiegesetzes stockten.

Die Unsicherheit über wichtige Rahmenbedingungen hemmte Investitionen. Unternehmen und Haushalte benötigen Klarheit über künftige Strompreise, Förderprogramme und den CO₂-Preispfad. Ohne verlässliche politische Signale droht Deutschland den Anschluss an globale Wachstumsmärkte für klimaneutrale Technologien zu verlieren.


Der Anlegerschutzverein WindEnergie AWE e.V. ist die Interessensvertretung von Anleger*innen im Windenergiebereich und Investments in erneuerbare Energien. Sie haben Fragen oder Interesse an unserer Arbeit oder einer Mitgliedschaft? Informieren Sie sich unter anleger-wind-energie.de/Mitgliedschaft über unsere Vereinsvision von hundert Prozent fairen, transparenten und demokratischen Verhältnissen bei Anlagen in erneuerbare Energien.

54321
(1 vote. Average 5 of 5)