Der Ausbau der Windenergie in Europa kommt nicht wie geplant voran. Vor allem lange Genehmigungsverfahren bremsen die Entwicklung aus. Der Verband Wind Europe warnt vor den Folgen für die europäische Industrie.
Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Europa deutlich weniger neue Windenergieanlagen installiert als erwartet. Das geht aus Daten des Industrieverbands Wind Europe hervor. Demnach liegt die neu zugebaute Leistung bei nur 6,8 Gigawatt, davon 5,3 Gigawatt innerhalb der Europäischen Union. Dieser Trend gefährdet das Erreichen der europäischen Klimaziele bis 2030, wonach 42,5 Prozent des Energiebedarfs aus Erneuerbaren Energien stammen sollen. Dafür wären laut Wind Europe 425 Gigawatt Windenergiekapazität nötig – nach jetzigem Stand werden es aber voraussichtlich nur 344 Gigawatt, wie iwr.de berichtet.
Deutschland überholt andere EU-Länder
Während die meisten EU-Staaten beim Windenergie-Ausbau hinterherhinken, macht Deutschland Tempo. Mit neu installierten 2,2 Gigawatt im ersten Halbjahr 2025 führt die Bundesrepublik die europäische Rangliste deutlich an. Auf den Plätzen folgen Spanien und das Vereinigte Königreich mit jeweils weniger als einem Gigawatt. Der deutsche Erfolg liegt vor allem an der schnellen Umsetzung der EU-Vorgaben zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren. Hierzulande dauert eine Genehmigung im Schnitt nur 18 Monate.
In den übrigen 26 EU-Ländern sieht es schlechter aus: Keines erreicht bislang die vorgeschriebene Maximaldauer von 24 Monaten für Genehmigungen. Vielerorts verschlechtert sich die Lage sogar noch. Die neu eingeführten “Beschleunigungsgebiete” führen mancherorts eher zu mehr Unsicherheit als zu echter Vereinfachung, kritisiert Wind Europe.
Strukturelle Hürden gefährden Wettbewerbsfähigkeit
Neben den langwierigen Genehmigungen sieht der Verband weitere Hindernisse: Die Modernisierung der Stromnetze komme nicht schnell genug voran, ebenso die Elektrifizierung der Industrie. Auch unvorteilhaft gestaltete Ausschreibungen für neue Windparks verzögerten die Entwicklung.
Diese strukturellen Probleme gefährden laut Wind Europe zunehmend die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Industriezweige in Europa. Denn energieintensive Branchen wie Stahl, Chemie oder IT seien auf günstigen Strom aus Windenergie angewiesen. “Weniger neue Windenergie ist eine schlechte Nachricht für Europas Wettbewerbsfähigkeit insgesamt”, warnt Verbandschef Giles Dickson. Andernfalls drohe Europa den Anschluss an Märkte wie China oder die USA zu verlieren.
Positive Signale trotz Prognosesenkung
Aufgrund der Entwicklung hat Wind Europe die Jahresprognose für den Windenergiezubau 2025 deutlich gesenkt: Statt der ursprünglich erwarteten 22,5 Gigawatt rechnet man nun europaweit nur noch mit 19 Gigawatt, davon 14,5 Gigawatt in der EU.
Doch es gibt auch Lichtblicke: Die Investitionsbereitschaft zieht spürbar an. Im ersten Halbjahr verzeichnete die Branche Investitionsentscheidungen von 34 Milliarden Euro – mehr als im gesamten Vorjahr. Auch die Bestellungen neuer Windturbinen legten um 19 Prozent zu. Ob diese Dynamik ausreicht, um die ehrgeizigen Ausbauziele doch noch zu erreichen, bleibt abzuwarten.
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