Der Iran-Krieg hat die globale Ölversorgung erschüttert. Die Internationale Energieagentur spricht vom schwersten Ölschock der Geschichte. Doch die Krise beschleunigt einen Wandel: Erneuerbare Energien wachsen so stark wie nie.
Die Internationale Energieagentur veröffentlichte kürzlich ihren monatlichen Öl-Report. Dieser dokumentierte beispiellose Verwerfungen auf den globalen Energiemärkten. Die Schließung der Straße von Hormus und anhaltende Angriffe auf die Energieinfrastruktur im Nahen Osten lösten den größten Einbruch der Ölproduktion der Vergangenheit aus. Die tägliche Fördermenge sank um 10,1 Millionen Barrel auf 97 Millionen Barrel (rund 15,4 Millarden Liter). Die Opec-Mitgliedsländer verloren fast ein Viertel ihrer Produktion. Länder wie die USA und Brasilien erhöhen zwar ihre Förderung, können den Ausfall aber nicht annähernd kompensieren.
Ölpreise erreichen historische Höchststände
Die Folgen der Krise treffen Verbraucher weltweit unmittelbar. Vor dem Krieg lag der Ölpreis bei etwa 60 Dollar pro Barrel. Im März überschritt er mehrfach die Marke von 100 Dollar. Die IEA bezeichnete diesen Anstieg als den größten monatlichen Preissprung nach dem schwersten Ölschock der Geschichte.
Viele Staaten greifen daher auf ihre strategischen Reserven zurück. Die weltweiten Ölbestände sanken im März um 85 Millionen Barrel. Außerhalb der Golfregion fiel der Rückgriff auf Vorräte noch drastischer aus: Hier schrumpften die Bestände um 205 Millionen Barrel. Gleichzeitig ging die globale Nachfrage nach Öl um rund zehn Prozent zurück. Die Energieagentur erwartet für das zweite Quartal einen Nachfragerückgang in ähnlichem Ausmaß wie zu Beginn der Corona-Pandemie.
Erneuerbare Energien übernehmen die Führung
Der Global Energy Review der IEA zeigte parallel einen bemerkenswerten Trend. Photovoltaik-Anlagen verzeichneten 2025 das stärkste Wachstum unter allen Energieträgern. Zum ersten Mal führte damit eine erneuerbare Energiequelle diese Rangliste an.
China trieb diese Entwicklung maßgeblich voran. Das Land baute seine regenerativen Kapazitäten massiv aus. Der Kohleverbrauch in der Stromerzeugung sank dadurch deutlich. Die chinesischen Emissionen gingen 2025 zurück. In den USA zeigte sich hingegen ein anderes Bild: Hohe Erdgaspreise führten dort zu einem verstärkten Einsatz von Kohle. Die amerikanische Energienachfrage erreichte den zweithöchsten Stand dieses Jahrhunderts. Verantwortlich dafür waren u. a. der Strombedarf von KI-Rechenzentren und ein kalter Winter.
Elektromobilität wächst rasant
Der Verkauf von Elektroautos stieg 2025 um mehr als 20 Prozent auf über 20 Millionen Fahrzeuge. Damit entfiel weltweit etwa jeder vierte Neuwagenkauf auf ein elektrisches Modell. IEA-Chef Fatih Birol sah darin einen unübersehbaren Trend zur Elektrifizierung der Volkswirtschaften.
Der weltweite Energieverbrauch sank insgesamt um 1,3 Prozent. Das geringere Wirtschaftswachstum war dafür der Hauptgrund. Der Stromverbrauch stieg dagegen um drei Prozent. Elektrofahrzeuge und Rechenzentren für Anwendungen der künstlichen Intelligenz trieben diese Entwicklung an.
Diversifizierung als Schlüssel zur Energiesicherheit
Der Bericht beinhaltet auch einen deutlichen Appell. Länder können mit einer diversifizierten Energieversorgung Krisen besser bewältigen. Staaten, die auf Resilienz setzten, würden in den kommenden Jahren sichere und bezahlbare Energie liefern können.
Die aktuelle Krise verdeutlicht die Verwundbarkeit fossil dominierter Energiesysteme. Gleichzeitig zeigt sie, dass der Wandel zu erneuerbaren Energien bereits in vollem Gange ist. Die Entscheidung vieler Länder, verstärkt auf Photovoltaik und Elektromobilität zu setzen, erscheint vor diesem Hintergrund nicht nur ökologisch, sondern auch strategisch sinnvoll. Die Bundesregierung, und insbesondere Wirtschaftsministerin Reiche, wäre daher gut beraten, sich diesen Erkentnissen anzunehmen und entsprechenden legislative Maßnahmen zu ergreifen.
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