Energiewende statt Endzeit: Wie Angst den Wandel bremst

By in
32
Energiewende statt Endzeit: Wie Angst den Wandel bremst

Die fossile Wirtschaft kämpft um ihr Überleben. Dabei tarnt sie ihre Schwäche als Stärke. Wer die Energiewende für gescheitert hält, übersieht entscheidende Fakten.

Erneuerbare Energien wachsen weltweit schneller als jede andere Form der Stromerzeugung. Solarstrom gilt inzwischen als die effizienteste Energiequelle, die Menschen bisher entwickelten. China baut in einem einzigen Jahr mehr erneuerbare Kapazität auf als die Europäische Union in einem Jahrzehnt. In Deutschland decken Erneuerbare Energien an manchen Tagen mehr als hundert Prozent des Strombedarfs. Trotzdem wird im politischen Deutschland zuletzt verstärkt auf fossile Brennstoffe gesetzt. Es wurden neue Flüssiggasterminals gebaut und langfristige Verträge abgeschlossen. Die Abhängigkeit wechselt damit lediglich den Lieferanten.

Geopolitische Risiken sprechen gegen fossile Energie

Die aktuelle Lage im Nahen Osten verdeutlicht die Gefahren dieser Strategie. Der durch USA vom Zaun gebrochene Iran-Krieg könnte die Zuverlässigkeit von Öllieferungen massiv einschränken. Wer jetzt auf fossile Energie setzt, macht sich erpressbar.

Deutschland erlebte diese Verwundbarkeit bereits nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Die Gasabhängigkeit musste praktisch über Nacht überwunden werden. Statt den Umstieg auf Erneuerbare Energien zu beschleunigen, verlängerte die Politik das fossile System. Sie sicherte es mit neuen Verträgen ab. Dieser Reflex erscheint verständlich, führt jedoch in die falsche Richtung.

Subventionen fließen in die Vergangenheit

Das Geld für eine andere Energiezukunft existiert längst – es fließt nur falsch. Kreuzfahrtkonzerne zahlen keine Energiesteuer auf Schiffsdiesel. Kerosin bleibt steuerfrei. Fossile Subventionen übersteigen in Deutschland die Förderung der Erneuerbaren um ein Vielfaches.

Diese Verteilung stützt ein System, das ökonomisch und physikalisch bereits am Ende angelangt ist. Es überlebt durch Infrastruktur, politische Routinen und Konzerninteressen. Dahinter steckt kein geheimer Plan. Es handelt sich um eine über anderthalb Jahrhunderte gewachsene Struktur.

Angst als Werkzeug der Verzögerung

Die fossile Industrie schürt gezielt Ängste. Sie warnt vor Kosten, vor neuer Technik, vor Bürokratie. Die Wärmewende wurde als Angriff auf das Lebenswerk kleiner Hausbesitzer dargestellt. Dabei trifft das Gegenteil zu. Wer ein Haus besitzt und von Öl oder Gas abhängt, sitzt auf einer ökonomischen Zeitbombe. Preissteigerungen und Lieferkrisen treffen diese Haushalte zuerst.

Wärmepumpen, Dämmung und moderne Quartierslösungen schützen das Eigentum. Sie befreien von der Abhängigkeit schwankender Weltmarktpreise. Der Todeskampf des alten Systems tarnt sich als Verteidigung der kleinen Leute.

Dezentrale Energie verteilt Macht neu

Jede Photovoltaik-Anlage auf einem Dach, jedes Bürgerwindrad, jedes energieautarke Quartier entzieht den fossilen Strukturen ein Stück Einfluss. Je weniger Energie durch Pipelines, Tanker und Großkraftwerke fließt, desto weniger Hebel besitzen deren Kontrolleure.

Energieautarkie bzw. zumindest -souveränität ist kein fantastatisches Projekt. Sie kann dort entstehen, wo Menschen gemeinsam über ihre Infrastruktur verfügen. Die angezählte fossile Wirtschaft töhnt lautstarkt, doch nicht vor Stärke, sondern aufgrund der verzweifelten Realisation eines immer deutlich scheiternden Geschäftsmodells.


Der Anlegerschutzverein WindEnergie AWE e.V. ist die Interessensvertretung von Anleger*innen im Windenergiebereich und Investments in erneuerbare Energien. Sie haben Fragen oder Interesse an unserer Arbeit oder einer Mitgliedschaft? Informieren Sie sich unter anleger-wind-energie.de/Mitgliedschaft über unsere Vereinsvision von hundert Prozent fairen, transparenten und demokratischen Verhältnissen bei Anlagen in erneuerbare Energien.

54321
(1 vote. Average 5 of 5)