Der Windpark-Projektierer Abo Energy hat den ersten Jahresverlust in seiner Unternehmensgeschichte verzeichnet. Die Firma arbeitet nun an einem Sanierungskonzept. Für Anleihegläubiger steht eine wichtige Abstimmung bevor.
Das Wiesbadener Unternehmen Abo Energy geriet Ende 2024 in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. Der Projektierer für Erneuerbare Energien prognostizierte zunächst einen Verlust von 95 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2025. Im Januar korrigierte die Geschäftsführung diese Zahl nach oben: Der erwartete Konzernjahresfehlbetrag lag nun bei 170 Millionen Euro. Als Ursachen nennt Unternehmen ein schwieriges Marktumfeld sowie überzeichnete Wind-an-Land-Auktionen, die zu niedrigeren Einspeisevergütungen führten. Die Firma musste erhebliche Sonderabschreibungen vornehmen.
Vom Abo Wind zum Sorgenkind
Abo Energy entstand 1996 und entwickelte sich zu einem der größten Projektentwickler in der Branche der Erneuerbaren Energien in Deutschland. Die Firma beschäftigt rund 1.400 Mitarbeiter. Nach eigenen Angaben realisierte sie Projekte mit einer installierten Erzeugungsleistung von 3,1 Gigawatt. Das Portfolio umfasst überwiegend Windparks, aber auch Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeicher und Umspannwerke. Bis Juli 2024 firmierte das Unternehmen noch unter dem Namen Abo Wind.
Die Gewinnwarnungen erschütterten den Kapitalmarkt erheblich. Die börsennotierte Anleihe von 2024 fiel auf etwa 16 Prozent ihres Nennwerts. Die Unternehmensaktie verlor innerhalb von drei Monaten mehr als 80 Prozent ihres Werts.
Anleihen sollten Kleinanleger ansprechen
Das Unternehmen hatte in den Jahren 2021 und 2024 zwei Anleihen herausgegeben. Beide richteten sich mit einer Mindestanlage von 1.000 Euro auch an Privatanleger. Die erste Anleihe mit neun Jahren Laufzeit brachte gut 42 Millionen Euro ein. Sie wurde fast ausschließlich durch die sozial-ökologische GLS Bank vertrieben und ist mit 3,5 Prozent verzinst. Die zweite Anleihe war 80 Millionen Euro schwer. Sie ist börsennotiert und bietet einen jährlichen Zins von 7,75 Prozent.
Die Anleger der 2021er Anleihe sind von den aktuellen Sanierungsverhandlungen nicht direkt betroffen. Deren Anlagebedingungen unterscheiden sich von der 2024er Anleihe.
Gläubigerversammlung soll Sanierung ermöglichen
Die erste Abstimmung der Anleihegläubiger verfehlte das notwendige Quorum. Zwar stimmte eine Mehrheit den Beschlussvorschlägen zu. Allerdings beteiligten sich nur rund 38 Prozent der Gläubiger. Das notwendige Quorum lag bei 50 Prozent. Daher lädt Abo Energy seine Anleihegläubiger zu einer physischen außerordentlichen Gläubigerversammlung am 9. März 2026 nach Wiesbaden ein. Beim zweiten Termin gilt ein reduziertes Quorum von 25 Prozent.
Die vorgeschlagenen Änderungen der Anleihebedingungen sollen die laufende Sanierung absichern. Konkret soll die sogenannte Negativverpflichtung aufgehoben werden. Diese erschwert laut Unternehmen aktuell die Aufnahme neuer Kredite und Bürgschaften. Zudem sollen bestimmte Kündigungsrechte der Gläubiger befristet bis Ende Mai 2026 ausgesetzt werden. Darüber hinaus ist die Bestellung eines gemeinsamen Vertreters vorgesehen.
Anleger sollten aktiv werden
Abo Energy betont trotz der Turbulenzen, über ein „signifikantes und werthaltiges Projektportfolio” zu verfügen. Die Geschäftsführung gehe davon aus, das Sanierungskonzept erfolgreich umsetzen zu können. Anleger und Anlegerinnen warten derweil auf eine Weiterentwicklung in der Sache und sind gut darin beraten akitv zu werden und ihre Interessen zu bündeln.
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